Wasserwege

Die Saar als Wasserstraße

Abgesehen von den wenigen Kilometern des Mosellaufs an der Grenze unseres Bundeslandes, sind die neben der Saar übrigen „bedeutenden“ Wasserläufe unseres Bundeslandes, die Blies und die Prims, als Wasserstraßen zum Gütertransport vollkommen ungeeignet. Selbst die Saar war in früheren Zeiten, genauer gesagt bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts, aufgrund häufig wechselnder Wasserstände und den damit verbundenen Gefahren für die Schiffe als Wasserstrasse zum Gütertransport eher unbedeutend. Dies änderte sich, als etwa 1860 im lothringischen Saargemünd die Anbindung an den Saar-Kohle-Kanal erfolgte und nunmehr sowohl Kohle als auch Erz aus lothringischen Gruben zu den Eisenhütten an der Saar gebracht werden konnte. Diese Möglichkeit wurde unter anderem durch erste Regulierungsmaßnahmen an der Saar auf deutscher Seite durch das Königreich Preussen als Grenznachbar zum französischen Lothringentatkräftig gefördert. So wurde beispielsweise nur wenige Kilometer vor Saarbrücken, kurz hinter der französischen Grenze, im Jahre 1863 die Güdinger Schleuse erbaut, die auch heute noch in Betrieb ist und besichtigt werden kann. Trotz dieser und anderer Maßnahmen beschränkte sich der Kohletransport aus Frankreich vor allem auf den großen Kohlehafen von Saarbrücken und den Erztransport bis nach Völklingen. Ein Befahren der Saar mit großen Transportkähnen über Ensdorfhinaus Richtung Dillingen mit seiner Eisenhütte war wegen der instabilen Wasserstände und der geringen Tiefe der Saar nicht möglich.
Tatsächlich prägten die kleineren sogenannten Treidelschiffe das Bild des Schiffsgüterverkehrs auf der Saar. Treidelschiffe waren Lastkähne ohne eigenen Antrieb, die bis etwa zum Zweiten Weltkrieg in der Regel von Zugtieren, meist Pferden über lange Stricke gezogen wurden. Die Tiere, von Menschen geführt, liefen dabei über den sogenannten Treidelpfad, der neben dem Flusslauf verlief. Seit etwa den mittleren 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die 50er Jahre, wurden die Zugtiere nach und nach durch Zugmaschinen, in der Regel Traktoren ersetzt.In einer weiteren Phase wurden die Treidelschiffe schließlich mit Motoren ausgestattet, sodaß sie über einen eigenen Antrieb verfügten.
Besonders nennenswert in diesem Zusammenhang ist das letzte noch motorlose und in Orignalzustand verbliebene Treidelschiff auf der Saar, die „Anna Leonie“, die bis ca. 2010 eine wechselvolle Geschichte erfahren mußte. Leider ist es trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen, diesem letzten verbliebenen Treidelschiff in Saarbrücken „einen Heimathafen“ zu schaffen, um es als industriekulturelles Denkmal zu würdigen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Anmerkung: Die bereits angedeutete wirtschaftliche Verzahnung zwischen Lothringen mit seinen Kohle- und Erzgruben und dem preussischen Teil des Saarlandes insbesondere mit Saarbrücken und seiner näheren Umgebung wurde nach dem deutsch-französischen Krieg der Jahre 1870 / 71 noch enger, nachdem Frankreich in Folge des verlorenen Krieges Lothringen neben dem Elsass an das neugegründete Deutsche Reich hatte abtreten müssen und somit eine Staats- und Zollgrenze entfiel.